Eine Mehrtagestour sollte es werden. Mit Hund und großem Rucksack. Zuerst hatten eine Freundin und ich uns den Malerweg rausgesucht. Viele kennen den, viele sind den schon gelaufen, also schaffen wir das auch. Da das Zelten dort überall verboten war, hätten wir täglich einen Campingplatz aufsuchen müssen und im besten Fall auch noch frühzeitig buchen. Das hätte uns alles an Spontanität genommen, wir hätten alle Etappen vorher festlegen müssen. Das wäre nicht mein Wunsch gewesen, dennoch hätte ich mich darauf eingelassen. Durch den Brand im Elbsandsteingebirge Mitte Juli mussten wir uns aber eine Alternative suchen. So kamen wir zum Forststeig. Der Forststeig wurde 2018 eröffnet.
Völlig unabhängig konnten wir hier wandern. Direkt ohne Umwege am Forststeig im Wald zelten. Mit den Hunden. Ein Traum. Die Abhängigkeit, die wir durch die Campingplatzbuchungen gehabt hätten, ist weggefallen. Fein. Dennoch gibt es natürlich auch beim Forststeig Vorgaben und Regeln, damit nicht jeder machen kann, was er will. Es gibt Schlafplätze, entweder Hütten- oder Biwakplätze, an denen man vor Sonnenuntergang ankommen muss. Man kauft Tickets an Verkaufsstellen, die man abends an den Ticketstellen entwertet. Eine Nacht, ob Hütte oder Biwak, kostet 10 Euro, was ich sehr frech finde, denn mit Hund hat man nicht die Option, in der Hütte zu schlafen. Heißt: man MUSS die Biwakplätze nehmen. Wir haben uns dazu entschieden den Forststeig andersrum zu laufen, als die meisten es tun. Also von Bad Schandau nach Schöna.
Geplant hatten wir die 105 km des Forststeigs in 5, eher 6 Etappen zu wandern. Unterwegs ergab es sich aber so, dass es nur 4 Etappen wurden. Später dazu mehr. Nun erstmal zur Planung.
Vor einer Mehrtagestour mit Rucksack ist es essentiell, sich die Verpflegungsmöglichkeiten anzuschauen, die man unterwegs hat. Wir hatten quasi keine. Der Sachsenforst wirbt damit, dass der Forststeig zivilisationsfern ist. Schön – Natur pur! Heißt aber ebenfalls, dass wir keine Möglichkeit haben werden einzukaufen. Demnach müssen wir alles selbst mitnehmen. Ich habe mich für meine Trinkblase 2,5 l, 2 Flaschen je 1 l, Trekkingnahrung, Nüsse und selbstgemachte und gekaufte Müsliriegel entschieden. Wo es Bäche/Flüsse gibt sollte man vorher auch genau nachschauen, denn wenn auf dem Weg das Wasser ausgeht, ist die ganze Sache nur halb so spaßig. Generell hätte ich es immer so gemacht, dass ich aufgefüllt hätte, wenn die Möglichkeit da ist. Aber es gab genügend Möglichkeiten und es war recht frisch mit herbstlichen Temperaturen, weshalb die Hunde und wir sowieso nicht so viel Flüssigkeit brauchten. Dann ist es mit Hunden recht wichtig rauszufinden, ob es Streckenabschnitte gibt, wo wir mit ihnen evtl. nicht hoch/runter kommen. Es gibt ein paar Treppen/Leitern auf der Route. Mit unseren Hunden war das aber möglich. Beim Packen habe ich mich auf ein Minimum konzentriert, da ich mich für ein 2-Personen Zelt (statt 1-Personen Zelt) entschieden habe, um nachts mehr Platz zu haben mit Buddy. Und das Hundefutter war auch ein schwerer Teil des Gepäcks.
Hier seht ihr meine Packliste für den Forststeig.
Im September 2022 war es dann so weit, endlich kam der Tag der Anreise im Elbsandsteingebirge. Wir haben uns entschieden, noch eine Nacht in meinem Bus zu schlafen, weil die Wettervorhersage so schlecht war, dass wir direkt während der erste Etappe durchnässt gewesen wären. Die Entscheidung war super – wir sind durchweg trocken geblieben. Die erste Etappe war wunderschön und wir waren knapp 7 Stunden unterwegs, bis wir in Nikolsdorf am Biwakplatz ankamen. Hier gibt’s einen visuellen Eindruck von der ersten Etappe. Hier haben wir dann bloß noch die Zelte aufgebaut, gegessen und dann ab in den Schlafsack. Geschlafen haben wir gut! War auch nicht anders zu erwarten, denn der Tag war sehr aufregend. An jedem ausgeschriebenen Platz gibt es eine Komposttoilette und Sitzgelegenheiten. Der nächste Tag sollte uns entweder 14 km oder 30 km weiter bringen. Wir wollten schauen, wie es uns geht, wenn wir beim Biwak Spitzstein ankommen. Da wir noch gut drauf waren, gingen wir weiter. Bis wir nach knapp 9 Stunden in Zehrborn landeten. Müde und kaputt nach 30 km stellten wir die Zelte auf, holten neues Wasser aus dem Bach, kochten es auf, aßen fix unsere Abendmahlzeit und dann ging es wieder direkt ab in den Schlafsack. Am Abend erfuhren wir von einem anderen Wanderer, dass er die Etappe, die wir am darauffolgenden Tag gehen wollten, an 2 Tagen gewandert war. Es sollten 35 km sein. Das Problem war, dass wir keine andere Wahl hatten – denn es gab keinen Biwakplatz auf der Strecke dorthin. Also stellten wir unsere Wecker auf 6 Uhr, damit wir noch im Hellen nach den 35 km am Taubenteich ankommen konnten. Bilder von der dritten Etappe gibt’s hier. Insgesamt waren wir auf der dritten Etappe 10,5 Stunden unterwegs. Ich war überrascht, dass mein Körper das so gut mitmachte, auch wenn er schmerzte. In der Nacht war es super kalt, ich lag zitternd im Schlafsack. Morgens war dann klar: es hatte gefroren. Halleluja. Hätte ich das gewusst, hätte ich mir mehr angezogen. Mein Schlafsack war nur bis 0 Grad ausgelegt. Internet gab und gibt es auf dem Forststeig auch nur bedingt, weshalb wir nicht mal nach dem Wetter gucken konnten. Die letzte Etappe vom Taubenteich zum Bahnhof in Schöna hat ganz schön Nerven gekostet. Durch die 35 km am Vortag tat mir alles weh, meine Füße hatten große, schmerzende Blasen, aber das Ziel war ja fast zum Greifen nah… also ging es nur noch darum, das jetzt durchzuziehen. Nach 14 km, völlig KO, kamen wir super glücklich am Bahnhof in Schöna an und fuhren mit dem Zug zurück zum geparkten Auto in Bad Schandau. Für die Hunde hatten wir keine Maulkörbe dabei und hofften, dass die ohne mitfahren dürfen. Trotz Kontrolle durften wir mitfahren. Der Kontrolleur hat sicherlich gesehen, wie kaputt wir waren ;-). Hier sind Bilder von der vierten Etappe.
Fazit
Mit Hund ist der Forststeig eine große Herausforderung für Anfänger (ja, ich bin auch Anfänger, es war meine erste Mehrtagestour) und ich würde es s0 wohl nicht nochmal machen. Der Forststeig bräuchte mehr Biwakplätze, wo Hunde erlaubt sind, damit man eben keine 35 km an einem Tag gehen muss. Ein weiterer Kritikpunkt ist definitiv, dass man die Tickets kaufen muss und dann nicht zurückgeben kann, wenn man sie doch nicht benötigt hat. Das ärgert mich sehr, denn so haben wir jeder 2 Tickets umsonst gekauft. Insgesamt war es aber ein mega Erlebnis (mein Highlight war auch, dass wir viel auf der Grenze Deutschland/Tschechien gelaufen sind) und kurz nachdem wir am Bahnhof in Schöna ankamen, habe ich schon überlegt, welches denn mein nächstes Abenteuer werden würde. Mittlerweile ist klar, welcher Fernwanderweg das größte Erlebnis 2023 wird: der Kungsleden in Schweden wartet im August auf mich! Dann aber ohne Hund, denn 33 Stunden Zugfahrt ist nicht gerade hundegerecht und zugegebenermaßen möchte ich nicht Buddys Hundefutter für 14 Tage tragen… außerdem gilt in einigen Nationalparks Hundeverbot. Drum herum laufen ist keine Option, denn ich will ja den Kungsleden wandern und nicht drum herum. Natürlich hoffe ich auf einige Probetouren in Deutschland, um mein Equipment auf Herz und Niere zu testen, bevor es nach Schweden geht.
Fragen/Anregungen? Immer her damit.
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