Mehrtagestour Kungsleden/Kingstrail Schwedisch Lappland

Eine Mehrtagestour mit Rucksack und Zelt sollte es werden. In der Natur, in den Bergen. Ganz minimalistisch, ganz viel Draußenzeit. 14 Tage Schweden. Wie viel Strecke schaffen wir da? 4 Tage für die An- und Abreise, 10 Tage zum Wandern. Es gibt den nördlichen und südlichen Kungsleden. Ich meinte, dass wenn wir uns in das Abenteuer werfen, dann müssen wir auf jeden Fall den nördlichen Teil vom nördlichen Kungsleden auswählen, denn das soll auch der schönste Teil sein. Wir entschieden uns also von Abisko nach Kvikkjokk zu wandern. 177 km in 10 Tagen, bedeutet 17 km am Tag mit einigen Höhenmetern natürlich. Wenn du interessiert bist, bleib dran! Hier gibt es viele relevante Infos für die Tour. Eine Packliste gibt es hier.

Die Planung

Wir haben uns im Internet viel belesen, bevor wir die Tour antraten, wie reise ich am besten an, was nehme ich mit, gibt es Versorgungsmöglichkeiten unterwegs und und und… Am meisten hat uns der Wanderführer über den Kungsleden von Michael Hennemann geholfen. Sowohl in der Vorbereitung als auch während der Wanderung. Da steht fast alles drin, was man wissen muss. Man kann allerdings aber auch nicht alles wissen, bevor man loszieht. Irgendwas passiert immer unerwarteter Weise, womit man vorher einfach nicht rechnen kann. Wir wollten ursprünglich mit Zug anreisen. Als wir nach den Fahrplänen gucken wollten, gab es diese aber noch gar nicht. Als wir uns dann einige Monate später nochmal informieren wollten und dann eben auch buchen, der Schock: alles ausgebucht. So blieb dann realistisch gesehen nur noch das Auto. Im Nachhinein sage ich, war eine Erfahrung, würde ich auch wieder machen, so lange man sich abwechselt mit dem Fahren. Das hat für mich so ganz gut gepasst. Auf dem Hinweg 27 Stunden mit nur ganz kurzen Pausen, auf dem Rückweg 30 Stunden mit einer 3 stündigen Pause nachts zum Schlafen und natürlich auch wieder Pausen zum Tanken, etc.
Informiere dich über den Trail – die Strecke verlangt so einiges ab. Die Tour wird beschrieben als ‚für alle machbar‘, aber es gab schon technische Passagen. Starke Nerven sollte man also mitbringen. Ich würde nicht sagen, dass das eine Tour für jedermann ist. Das Wetter kann dort nämlich schnell umschlagen, sodass du Sonnenbrille und -hut auf hast und im nächsten Moment den Poncho überwerfen musst. Die Wege gestalten sich dann noch technischer durch rutschige Bohlen, matschige Wege, glitschige Steine, usw… Der Wind hat es auch fast geschafft uns von den Bohlen zu fegen.

Essen für die Wanderung

Wir haben uns dazu entschieden alles dabei zu haben um nicht von den Hütten unterwegs abhängig zu sein. Wie viel Frühstück und Abendessen es gibt ist einfach: je eine Portion Travellunch. Das wird mit heißem Wasser aufgegossen und ist innerhalb 5-10 Minuten fertig. Das ist meiner Meinung nach die smarteste Lösung, denn du brauchst nicht unterwegs an den Abwasch zu denken und hast danach eine Mülltüte. Dadurch brauchst du keine extra Mülltüte(n). Aber wie viele Riegel brauche ich am Tag? Ich habe mit 2-3 Stück gerechnet und habe mich für 2 verschiedene Sorten von Clifbar entschieden und für den Apfelstrudel Riegel von Oatking. Den habe ich morgens zu meinem Müsli dazugegeben um das etwas aufzupeppen und länger satt zu bleiben. Dann hatte ich noch 4 Tüten Nüsse mit, die ich über die Tage verteilt immer mal gegessen habe. Das war’s auch schon. Unterwegs gibt es Fjällstationen und Hütten, die eine kleine Auswahl anbieten, die aber deutlich teurer ist als Zuhause bzw. im Internet. Dort gibt es Snacks, Süßkram, Cola in Dosen, Gaskartuschen und eben auch Trekkingnahrung. In einigen Shops gibt es auch Blasenpflaster, Zahnbürsten, Toilettenpapier, Sonnencreme, Labello usw. Jetzt folgt das Tagebuch und darunter nochmal alles, was wir auf der Tour gelernt haben.

Unser Tagebuch

Anreise
Wie schon erwähnt, sind wir mit Auto angereist und haben das Auto dann in Kvikkjokk, also bei unserem Ziel, abgestellt. Dort standen unerwartet viele Autos. Von da aus sind wir dann mit Bussen nach Abisko:
Montag 9.00 Uhr Kvikkjokk – Jokkmokk
12.50 Uhr Jokkmok – Gällivare
16.00 Uhr Gällivare – Kiruna (dann eine Nacht über Airbnb noch ein letztes Mal richtig schön geschlafen und geduscht)
Dienstag 7.30 Uhr Kiruna – Abisko Turiststation
Wie man sehen kann, sind wir da (für 2 Personen) schon einiges an Euros losgeworden, bevor es überhaupt richtig los ging. Einige Busfahrer haben mich als Jugendlicher durchgehen lassen, andere nicht. Ein Wanderer sagte, dass man bis 26 Jahre in Schweden als Jugendlicher gilt. Da kann man also ein bisschen was sparen, wenn man da hinterher ist. 🙂

Etappe 1 Abisko – Nationalpark Ende
Durch den Abisko Nationalpark. Was ein Traum von Natur. Wir sind schön der orangenen Markierung gefolgt, denn wir hatten gelesen, die Markierungen sind rot/orange. ACHTUNG: es ist nicht die orange Wegmarkierung, sondern die rote an den Steinen oder Bäumen für den Sommertrail des Kungsleden. Wir haben erstmal die falsche Routenmarkierung genommen und sind einen netten Rundweg von 5 km gelaufen, bevor wir dann den roten Markierungen gefolgt sind. Wunderschöner Trail. Es wurde nicht langweilig und wir haben viele, viele Fotostops gemacht. Genau hinter der Abisko Nationalpark Markierung haben wir einen schönen Platz gefunden zum Zelten. Denn: im Abisko Nationalpark darf nicht gezeltet werden. Es gibt einen Zeltplatz mit Toiletten (Plumpsklos) 4,5 km vom Start und das wäre für uns viel zu früh gewesen. Bis auf wenige Ausnahmen gilt das Jedermannsrecht in Schweden. Du darfst überall dein Zelt aufstellen. Wir hatten perfektes Wetter mit etwas Wind und dadurch keine Mücken. Kurz bevor wir die Markierung erreichten, füllten wir nochmal unsere Wasservorräte für das Abendessen und Müsli auf. Ganz unten im Beitrag findest du meine Optimierungsmöglichkeit für die Wasserversorgung vor Etappenende, falls deine Flaschen nicht genügend Liter fassen.

Etappe 2 Abisko Nationalpark Ende – Alesjaure-Hütte
Nachts hatte es geregnet, morgens jedoch sind wir mit schönstem Sonnenschein aufgewacht. Demnach war die Motivation noch größer als eh schon, zu frühstücken, alles zusammenzupacken und loszuwandern.

Wir hatten uns nicht nochmal den Wanderführer genommen um zu schauen, wo wir heute hinlaufen wollten, sind also erstmal einfach los und haben dann in der ersten Pause mal geschaut, wo es uns heute hintreibt. Aber der Plan lautete auf jeden Fall für jeden Tag: mindestens 17 km. Also ging’s los und dann erstmal Wasser holen. Die erste Chance haben wir verpasst, weil wir nicht hartnäckig genug waren runter zum Fluss zu kommen. Dann haben wir doch nochmal den Wanderführer geschnappt und geguckt, Mist es kommt keine Wasserstelle mehr. Anfängerfehler! So sind wir also mit sehr wenig Wasservorräten den nächsten Berg hinauf, in der Hoffnung, dass die nächste Möglichkeit, die Reserven wieder aufzufüllen, bald kommt. Ein gutes Stückchen bergauf gelaufen, kam dann auch schon die erste Möglichkeit. Ein kleiner klarer Bach floss dadurch. Viele kleinere Wasserstellen sind in dem Wanderführer nicht eingezeichnet. Eigentlich findet man überall Wasser und muss nicht verdursten, wenn man nicht gerade mit nur einer 0,5 L Wasserflasche los zieht. Das Wetter war schön, ich brauchte Sonnencreme, -brille und -hut. Der erste Anstieg hatte es in sich und war ziemlich lang. Alle uns entgegenkommenden waren dick eingepackt. Jacke, lange Hose, Stirnband oder Mütze… Wir verstanden das nicht – der Wind nahm aber mehr und mehr zu und bald verstanden wir wieso – es war super windig ganz oben und es hatte einige Grad weniger als eben noch. Fix die Jacken drüber und weiter. Auf der zweiten Etappe war die Natur nicht so umwerfend wie auf der ersten, zu wenig Abwechslung und zu viele steinige Wege für meinen Geschmack. Dann fing es am Bootsanleger Alesjaure an zu regnen. Hier hätte man das Boot nehmen können und die Wanderung um 7 km kürzen. Viele Wanderer nutzten das Angebot der Samen. Wir natürlich aber nicht, denn wir wollten ja zum Wandern dorthin. Ich hatte mich etwas über den Regen gefreut, endlich den Poncho testen! Erster Test: super Teil! Weiter auf dem Kungsleden gab es noch einige Flussüberquerungen. Kurz vor der Alesjaure-Hütte, die wir schon sehen konnten, holten wir Wasser und suchten nach einem geeigneten Plätzchen. Die Mücken und Fliegen schwirrten um uns rum beim Zeltaufbau, Gott sei Dank hatten wir unser Mückennetz für den Kopf eingepackt. Das hat uns gerettet. Die wollten wirklich überall hin. In die Ohren, in die Nase, einfach überall. In der Nacht hatte es viel geregnet und gestürmt, wir hatten kurz mal Angst um unsere Zelte. Die Nacht war ein pures Abenteuer und wir haben nur wenig Schlaf bekommen.

Etappe 3 Alesjaure-Hütte – Tjäktjapass
Von der Alesjaurehütte ging’s weiter Richtung Tjäktjäpass. Das Wetter war echt schlecht, viel Regen und starker Wind, der uns fast von den Bohlen gefegt hat. Deshalb gibt es hier nicht so viel zu erzählen, der Trail hatte wieder viele Steine in jeder Formation zu bieten, es war anspruchsvoll und technisch. Am Tjäktjapass gibt es eine Schutzhütte, in der man in Notfällen schlafen darf. Wir kamen dort ca. 16.30 Uhr an und wussten, dass es auf der nächsten Etappe gleich steil bergrunter geht (dem Wanderführer sei Dank). Meine Wanderbegleitung war aber gut angeschlagen vom Weg und Wetter und die Aussichten, dass die Wolken nochmal aufreißen, waren eher schlecht, sodass wir uns dazu entschieden, in der Hütte zu schlafen. Den Abend haben wir nette Leute kennengelernt. Eine Weitwanderin aus Finnland erzählte uns, dass sie das Wetter auch für eher heftig hielt. Grüße an Ulrich, mit dem wir uns lange unterhielten, während er Abendessen zubereitete, aß und seinen Rucksack einmal neu sortierte.
Auf dem Weg zum Tjäktjpass war 3,5 km vorher noch die Tjäktja-Hütte – dort hing ein Zettel, man soll nur Wasser aus richtig fließenden Gewässern nehmen, da der Wasserstand momentan sehr niedrig ist und es ggf. Keime gibt. Eine Männertruppe aus Berlin erzählte uns, dass auf dem Kungsleden Magen-Darm rumgeht und wohl schon einige Hütten geschlossen wurden. Hat uns erstmal nicht so schockiert, denn jeder hat gesagt, die Hüttenwarte dürfen Wanderer nicht abweisen. Im Notfall würde das schon klappen, in einer der Hütten/Fjällstationen zu schlafen, dachten wir. Das hatte sich dann aber doch anders gezeigt. Wenn du schnell weiter willst, geh zu Etappe 7. Wegen des schlechten Wetters haben wir leider auch fast keine Fotos gemacht.

Etappe 4 Tjäktapass – Sälka – Singi
In der Schutzhütte gut geschlafen, ging’s nächsten Morgen Richtung Singi. An der Sälka-Hütte haben wir eine schöne Pause gemacht, gefrühstückt und sind weiter. Das Wetter war wechselhaft regnerisch/bewölkt/sonnig. Ich wusste nicht, was ich anziehen sollte. Teilweise hatte ich Sonnenhut und -brille auf und den Poncho an. War schon witzig. In Singi angekommen hat uns eine nette Frau, die auf der Hütte geschlafen hat, noch einen Tee angeboten. Sie ist mit ihrer Freundin auf dem Kungsleden unterwegs und sie hat uns erzählt, dass sie zu alte Wanderschuhe hatte – das Gummi der Sohle wurde porös und so hat sich nach wenigen Tagen die Sohle vom Schuh verabschiedet. Glücklicherweise lagen in der Singi-Hütte ein paar Sportschuhe, die dort vergessen wurden. In denen musste sie dann die letzten zwei Etappen antreten. Ein Equipment-Check vor einer Mehrtagestour ist unerlässlich. Nach dem Granatapfeltee ging’s wieder raus in den Wind um einen Zeltplatz zu finden – heute im Fjäll. Gar nicht so einfach einen windgeschützten Platz zu finden. Aber wenn der Wind da ist, sind keine Mücken da. Auch nett eigentlich. Zwischenzeitlich hat der Wind nachts aber so gegen mein Zelt geweht, dass die Querstange sehr nah kam und ich Angst hatte, sie würde brechen. Nachts um zwei saß ich also da, im Schlafsack, meine Tür offen, die Hand hat die Seite gestützt. Bis ich ein paar Sekunden später auf die Idee kam, meinen Trekkingstock zu nehmen, den in den Boden zu stecken und oben gegen die Einsteckstelle von der Querstange ins Zelt zu lehnen und so konnte ich dann beruhigt weiter schlafen. Mein Gott, war das smart.

Etappe 5 Singi – Kaitumjaure – Teusajaure
Ohne Frühstück, nur mit einem Riegel im Magen ging es los. Unser Frühstück wollten wir an einem schönen Platz auf dem Weg essen. Auf der Etappe hatten wir gutes Wetter und mega Aussichten. Wir hatten eine tolle Pause hinter einem großen Stein mit warmem Müsli/Porridge. Kurz vor der Teusajaure-Hütte haben wir am Wasserfall gezeltet. Windgeschützt und ruhig.

Etappe 6 Teusajaure – Vakkotavare
Als wir nächsten Morgen weiterzogen, haben wir 1 km vor der Teusajaure-Hütte ein Schild vorgefunden, dass wenn man zelten möchte ohne zu bezahlen, soll man doch weiter weg zelten – ab da war dann für die Wanderer, die z.B. den Aufenthaltsraum und Toiletten mit nutzen wollten, reserviert.
Die nächste Challenge war dann, den See zu überqueren. Selbst rudern oder mit Motorboot für ca. 10€. Ich wollte rudern, meine Begleitung lieber das Motorboot. Wir hatten so viel Glück, dass ein Italiener gerade dabei abzulegen, da sind wir noch mit aufs Boot gehüpft und er hat uns sicher rüber gerudert. Es gibt insgesamt drei Ruderboote. Mindestens eins muss an jedem Ufer sein. Wenn also nur eins vorhanden ist, muss man einmal rüber, ein anderes Boot holen und wieder zurück, es da ablegen und dann die finale Tour Richtung Ziel-Ufer. Drüben angekommen haben wir gefrühstückt und sind weiter Richtung Vakkotavare. Toller Trail. In Vakkotavare angekommen, erstmal wieder Wasser aufgefüllt am Fluss. Dann haben wir geguckt, wo der Bus nach Saltoluokta um 11:00 Uhr morgen geht und unseren Zeltplatz gefunden. Was ein mega schöner Platz. Und nach 6 Tagen dann auch mal wieder Empfang! Erstmal Buddy anrufen und ihn fragen, ob es ihm gut geht! 🙂

Etappe 7 Vakkotavare -Kebnats/Saltoluokta (mit Bus und Boot) – Sitojaure
Regnerisch und nass, nass, nass. Wir hatten einen Aufstieg zu bewältigen, aber absolut keine Sicht. Deshalb gibt es auch nicht so viel über die Etappen zu berichten. Außer, dass wir nochmal Rentiere gesehen haben. Am Anfang kaum, dafür aber ab Etappe 4-9 ziemlich viele. 🙂 Da der Tag so nass war, wollten wir abends in der Sitojaure-Hütte schlafen. Es stellte sich aber raus, dass genau an dem Tag alle Hütten auf dem Kungsleden geschlossen wurden und nur noch vorgebuchte Gäste aufgenommen wurden. Puh, das musst du abends dann erstmal sacken lassen, wenn du kaputt und nass vor der Hütte stehst und nächsten Tag das Boot nehmen willst, was also bedeutet, du musst zurück gehen statt weiter – denn an der Hütte durfte auch niemand zelten. Unsere 7. Etappe endete um 22:30 Uhr an einem eigentlich netten Zeltplatz im Nieselregen. Alles klamm und kalt, die Schuhe komplett durchgeweicht. Was ziehe ich dann morgen an? Meine ZIP-Hose in kurz, Regenhose drüber, die nassen Socken, die Schuhe und mein Tshirt. Die trockenen Socken zu verdonnern wäre irgendwie sinnlos gewesen, dachte ich, denn dann hätte ich 2 Paar nasse Socken.

Etappe 8 Sitojaure mit dem Boot verlassen – Aktse – Boot – Richtung Pårte (morgiges Ziel)
Wir hatten eine, mal wieder, regnerische Nacht, alles war klamm. Aber gut, alles einpacken und auf gutes Wetter hoffen. Wieder mit den nassen Socken in die nassen Schuhe ist auch eine Erfahrung, die man nicht wieder machen muss. 7.30 Uhr mussten wir am Bootsanleger sein, damit wir um 8.00 Uhr rüber gefahren werden konnten (380 SEK kostet die Überfahrt).
Die Samen haben am Bootsanleger einen kleinen Kiosk, wo es Samibrot mit Butter und oder Rentierkäse gab und Süßkram, Kaffee und Kakao. Endlich wird mal an die Kakaotrinker gedacht!

Nun wussten wir also, dass wir nirgendwo mehr übernachten können wegen eines Magendarm-Infekts, welcher wohl nördlich von uns, also hinter uns, sein Unwesen treibt. Als uns das bewusst wurde, mussten wir auch erstmal schlucken. Es wurde also richtig ernst, keine Chance mehr auf einen warmen Ofen, falls es jetzt weiter regnen würde. Der Tag startete mit Nieselregen und extremer Feuchtigkeit. Unser Etappenziel war Aktse und wir wussten, um 17 Uhr geht ein Boot rüber zum nächsten Etappenziel Pårte. Wäre also smart, wenn wir das Boot heute noch schaffen würden, sonst müssten wir eine Nacht warten und nächsten Morgen das Boot nehmen (300 SEK). Hier könnte man aber auch 3 km selbst rudern. Heute hatten wir leider wieder keine Sicht… das war doch etwas deprimierend. An der Akste-Hütte angekommen, wurde das Wetter langsam besser, die Sonne kam raus – endlich alles schnell raus legen zum Trocknen. Die Hüttenwartin hat uns für die nassen Schuhe Plastiktüten empfohlen. Sie gab jedem 4 Gefrierbeutel und Gummibänder, damit wir trockenen Fußes weiter laufen konnten. Was haben wir uns gefreut. Bester Lifehack! Trockene Socken an, Plastiktüte rüber, Gummiband zum Befestigen, Schuh an und los. Dann haben wir noch eine Tüte Weingummi und die Boottickets im Shop in Akste gekauft, wo die Hüttenwartin noch etwas von Gewitter ansprach. Mit dem Boot am anderen Ufer angekommen hörten wir den Donner schon. Wir entschieden uns den erstbesten Platz zu nehmen. Gerade hatten wir die Zelte aufgebaut, Wasser aufgekocht, fing es doch echt an zu regnen. Das war’s also mit dem gemeinschaftlichen Abendessen. Schnell alles eingepackt und ab ins Zelt. Essen geht ja Gott sei Dank auch allein. Manchmal ist die gezwungene Ruhe dann auch einfach was Tolles, wo man den Tag revuepassieren lassen und nochmal durch die Galerie scrollen kann.

Etappe 9 Schlafplatz – Pårte
Der vorletzte Tag, das ging ganz schön schnell. Morgen sind wir dann schon wieder beim Auto, dachte ich. Die Etappe müssen wir also nochmal so richtig genießen! Der Rucksack wiegt mittlerweile fast nichts mehr… sehr angenehm! Auf der Etappe gab es einige Hängebrücken und Rentiere. Und… steinige Wege, die ich mittlerweile echt nicht mehr sehen konnte.

Etappe 10 Pårte – Kvikkjokk
Zu dieser Etappe gibt es tatsächlich fast nichts zu sagen, außer, dass sie einfach langweilig war. Die hätten wir uns auch sparen können und ich war danach echt am Überlegen, ob ich jemals noch den restlichen Teil des nördlichen Kungsleden gehen würde. Die ganze Zeit war ich fest entschlossen, dass ich irgendwann nochmal von Kvikkjokk bis Hemavan wandern würde, aber es heißt wohl nicht umsonst, dass der nördlichste Abschnitt der schönste sei. Bevor ich diese Entscheidung treffe, heißt es also recherchieren, recherchieren, recherchieren… Das bleibt hier also das offene Ende! 🙂

Müll entsorgen auf dem Kungsleden

Offiziell kann man seinen Müll bei folgenden Fjällstationen gegen einen kleinen Beitrag loswerden: Kebnekaise, Saltoluokta und Kvikkjokk. Doch Obacht, es wird dort streng getrennt. Weichplastik, Hartplastik, Gaskartuschen, brennbarer Abfall, usw.
Die Etappe, wo man den Bus von Vakkotavare nach Kebnats nimmt, gibt es am Parkplatz direkt neben der Bushaltestelle einen Müllcontainer. Dort sind wir unseren Müll zum ersten Mal losgeworden, sowie viele andere Wanderer auch. Toilettenpapier darfst du vergraben, es ist aber einfach noch besser es mitzunehmen.

Die Hütten/Fjällstationen unterwegs bieten und kosten…

Shop (nicht alle), Ofen, kleine Küchenzeile, Betten, Aufenthaltsraum, Toiletten, Fluss für Frischwasser, Zeltplätze, extra Matratzen für Notfallplätze, Müllentsorgung (nicht alle). Eine Nacht in den Hütten kostet wohl ca. 50 Euro.

Hunde auf dem Kungsleden

Hunde sind angeleint erlaubt, aber mir wäre das zu heikel. Der Trail ist manchmal so anspruchsvoll, dass ich froh war, Buddy nicht dabei zu haben. Der Wind hat uns manchmal fast von den Bohlenstegen gepustet. Die Bohlenstege waren oft da, wo unter anderem viele, viele Steine unter waren, viele kleine Ritzen und Löcher, in die die Hundepfoten evtl. reingeraten wären, wenn der Hund mal kurz nicht konzentriert bei der Sache war. Ich weiß nicht, ob Buddy problemlos und gesund wieder mit zurück gekommen wäre. Auf dem nördlichen Teil, sprich die ersten Tage, die wir unterwegs waren, haben wir deutlich mehr Hunde gesehen als gegen Mitte-Ende unserer Tour. Außerdem muss man das Gewicht beachten, was zusätzlich mit muss. Futter, evtl. Mantel/Decke/Matte, Booties, Zugausrüstung. Ich denke, ich hätte mehr Zeit einplanen müssen, um Buddys Bedürfnissen dann auch noch gerecht werden zu können. Als wir abends unsere Zelte aufbauten war ich froh, nur noch meine Bedürfnisse befriedigen zu müssen und nicht auch noch die meines Vierbeiners. Außerdem kommt noch mehr Nässe ins Zelt, wenn der Hund mindestens genau so klamm ist wie alle anderen Sachen auch. Das hätte die Lage an einigen Tagen deutlich verschlechtert. Einige Hunde waren mit in den Hütten. Jemand sagte, dass die Hunde einen extra Raum hätten.

Kosten

Für die Tankfüllungen haben wir ca. 520 Euro bezahlt
Für die 2 Brücken, die wir je 2x mit dem Auto überqueren mussten fallen 200 Euro an
Die Busse, mit denen wir (also 2 Personen) von Kvikkjokk bis Abisko fuhren, kosteten 159 Euro
Der Bus und die 4 Boote, die wir (2 Pers) auf der Wanderung nehmen (mussten) kosteten ca. 160 Euro
Die Übernachtung in Kiruna, damit wir nächsten Morgen den Bus nach Abisko nehmen konnten 70 Euro
Travellunch für eine Person (6x Frühtstück, 6x Abendessen) 60 Euro (wovon wir ja nicht alles gebraucht haben)
Riegel für eine Person schätzungsweise 50 Euro
Und der Verschleiß des Autos ist auch nicht zu unterschätzen. Das Auto hat mal so eben knappe 4500 km gerissen
Das ist auf jeden Fall das, womit man rechnen muss. Dann kommt noch extra Süßkram an den Hütten dazu, evtl. mal ein Kaffee, oder oder oder. So viel Luxus, wie man sich eben gönnen will. Ich fand mich ziemlich sparsam auf dem Kungsleden. Auf dem Hin- und Rückweg haben wir uns in Jokkmokk nicht weit von der Bushaltestelle entfernt Burger und Pommes gegönnt. Da gehen dann schnell auch nochmal 50 Euro bei drauf.

In Abisko bei der Turiststation/Fjällstation angekommen konnte ich mich direkt an meiner Handschaufel für 19 Euro erfreuen. Auf einem Bildschirm stand, dass man doch bitte seine Geschäfte vergraben soll oder die Toiletten nutzen, die man am Trail entlangt findet (das sind jedoch nicht viele, kann ich sagen, nachdem ich da war. Demnach würde ich jedem eine kleine Schaufel empfehlen).

Optimierungen für die nächste Mehrtagestour

  1. Plastiktüten und Gummibänder, um trockene Socken anzuziehen und dann in die nassen Schuhe zu schlüpfen.
  2. Plastiktüten oder Drybags für Klamotten, um diese trocken zu halten.
  3. Innen- und das nasse Aussenzelt trennen, indem das Aussenzelt in eine Plastiktüte gestopft wird und so mit in die Zelthülle kann ohne das Innenzelt zu berühren.
  4. Unterwegs trafen wir eine Familie, Vater, Mutter, Sohn und Tochter. Die schwärmten von ihrem Nachtisch. Z.B. Seelenwärmer von Dr. Oetker oder Mousse au Chocolat von Trek’n’Eat. Unnötiger Luxus, aber den Platz hätte ich im Rucksack dann auch noch gefunden. Das wäre ein Highlight gewesen auf der 10 tägigen Tour.
  5. Definitiv Sandalen, die zum Wandern geeignet sind und vorne offen sind. Keine Zehentrenner. Die habe ich in der Regel an, sobald wir unseren Zeltplatz gefunden haben bis ich in den Schlafsack hüpfe und morgens direkt wieder bis zum Aufbruch zur nächsten Etappe. Im Falle von Blasen kann ich dann die Sandalen beim Wandern (mit Socken) anziehen und mit ihnen durch die Flüsse furten (davon gab es wirklich einige Male). Die Mücken haben sich über meine Zehentrenner gefreut, denn das geht ja nur barfuß – es gab unfassbar viele Mückenstiche. Außerdem sind Socken auch dann von Vorteil, wenn es kalt ist.
  6. Luxusproblem: ich hätte noch anstatt einer normalen Mütze, Fleecejacke und Schlauchtuch alles aus Merinowolle mit haben können.
  7. Ich werde nächstes Mal auf eine ordentliche Powerbank setzen ansatt das recht große und sperrige Solarpanel mitzunehmen. Ich hatte es auf dem Deckel meines Rucksacks befestigt und es hat mich doch schon sehr gestört, auch deshalb, weil es nicht so robust wirkt und ich immer ziemlich vorsichtig sein musste beim Öffnen des Rucksacks.
  8. Die Stöcke verhindern, dass die Sportuhr die Schritte zählt. Ich hatte täglich nur maximal 15.000 Schritte. Aus Erfahrung kann ich aber bei der Länge der Wanderungen ohne Stöcke sagen, dass da deutlich mehr auf der Uhr sein müssten. Da kann wohl nur Garmin Abhilfe schaffen.
  9. Zahnputz-Tabletten statt Zahnpasta (hatten wir diesmal schon). Einfacher in der Handhabung und besser für die Umwelt!
  10. Ich habe bei einem Wanderpärchen gesehen, dass die beiden eine faltbare Flasche dabei hatten, die sie wohl für eine extra Portion Wasser nutzten, bevor sie am Etappenende ankamen. Mega smart, wenn man zum Kochen doch mehr braucht als man über Tag so mit hat oder wenn man weiß, dass es am darauffolgenden Tag erstmal dauert, bis die nächste Wasserstelle kommt. Ich war mit 2 L am Tag unterwegs und das reichte für Abendessen, Frühstück, Trinken und Zähne putzen. Für die Abendessen brauchten wir ca. 350-450 ml Wasser und fürs Müsli 125 ml.
  11. Trekkingstock als Stütze für die Querstange bei starkem Wind.

Ich hoffe, ich konnte viele Deiner Fragen beantworten – falls Dir noch etwas fehlt, schreib mir gern! 🙂 Ich freue mich auf Deine Fragen!

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