Durch drei Länder zu Fuß: Nordkalottleden. Trekking im Herbst durch Lappland

Nachdem wir letztes Jahr 170 km auf dem Kungsleden unterwegs waren, haben wir dieses Jahr eine neue Herausforderung gesucht. Schnell stand fest, es wird der Nordkalottleden, wo die Versorgung unterwegs nicht gegeben ist wie auf dem Kungsleden und die Strecke ist deutlich technischer und anspruchsvoller. Letztes Jahr sind wir im Sommer von Abisko nach Kvikkjokk gewandert – dieses Jahr soll es von Abisko aus Richtung Norden gehen. Und zwar heißt unsere Etappe Abisko in Schweden bis Kilpisjärvi in Finnland – diesmal im Herbst. Zu Fuß durch drei Länder. Klingt schon mal interessant, anspruchsvoll und nach einem großen Abenteuer (war’s auch, kann ich verraten). Diesmal wollten wir, für eine entspanntere Anreise, den Flieger nehmen. Das hat erstaunlich gut geklappt, wir hüllten unsere Rucksäcke mit Folie ein, damit unterwegs nichts kaputt gehen konnte. Unsere Rucksäcke kamen unversehrt mit uns in Kiruna an – das Abenteuer konnte beginnen. Aber erstmal zu den Vorbereitungen…

Vorbereitungen

Auf dem Nordkalottleden gibt es DNT Hütten, in denen es Betten, Küche, Sofaecke und Plumpsklo gibt. Du solltest für den Nordkalottleden in den DNT (Den Norske Turistforening) eintreten. Somit kannst du dir Zugang zu den Hütten verschaffen. Du ‚kaufst‘ den Schlüssel ,Nøkkel‘ auf deren Homepage und er wird dir zugesandt. Mach das bloß frühzeitig, denn der Versand kann etwas dauern. Wenn du schon Mitglied beim STF (Svenska Turistföreningen) bist, zählt das jedoch auch und du kannst dir damit auch den Schlüssel organiseren und als Mitglied in den Hütten übernachten und Mitgliedspreise zahlen. Die Preise findest du weiter unten.

11 Tage hatten wir für unser Trekkingadventure – Travellunch, Porridge, Nüsse, Riegel und etwas Weingummi sollte diesmal mit. Dieses Jahr gab’s selbstgemachtes Porridge. Das erste Mal, dass ich mich getraut habe, mein Frühstück für eine Mehrtagestour selbst zu machen. Halleluja, hatte ich Respekt davor. Ich dachte, es könnte mir unterwegs nicht schmecken oder zu wenig sein. Egal – weg mit den negativen Gedanken. Es ist auch keine Option, ständig die Travellunch Müslis mitzunehmen. Die schmecken mir nämlich nicht wirklich und sind viel zu teuer. Ich habe mich für zwei verschiedene Sorten Müsli entschieden. Apfel-Zimt und Nuss-Schoko. Beide waren fantastisch unterwegs. Ich habe mich jeden Morgen auf mein Porridge gefreut.

Wir haben wieder den Reiseführer von Michael Hennemann dabei gehabt. Der bringt uns wunderbar durch die jeweiligen Etappen und bereitet uns gut vor. Schuhe nochmal gut einfetten, Ausrüstung checken. Dann bist du bereit. Für unsere Sicherheit auf der Tour haben wir uns dieses Jahr das Garmin InReach gekauft, um im Notfall Hilfe holen zu können und um die Wettervorhersage sehen zu können (haha, Lappland und Wettervorhersage…).

Nun geht’s los. Rucksäcke sind gepackt und in Frischhaltefolie eingepackt. Von Dänemark, Billund nach Kiruna in Schweden, eine Nacht im Airbnb schlafen, nächsten Morgen Gas besorgen und den Bus von ‚Kiruna Busstation‘ nach Abisko, bzw. Björkliden…

Etappe 1 Björkliden – Lappjordhytta
Morgens aus dem Airbnb los, Gas kaufen, weil wir abends nichts bekamen. Keine Tankstelle (wie im Netz beschrieben) hatte Gas. Die Verkäufer in den Tankstellen meinten, es gäbe Gas bei Coop – gab’s nicht. Ausverkauft wegen der vielen Touristen. Also bin ich zurück gerannt zu ‚Gasspecialisten‘. Gott sei Dank machen die um 7:00 Uhr den Laden auf und hatten Gas für uns. 99 NOK und ein Sturmfeuerzeug gab’s auch noch, meins musste ich am Flughafen zurück lassen… 😦 Schlecht informiert, würde ich sagen.

Nach dem Stress haben wir dann den Bus durch die Hilfe einer netten Schwedin noch geschafft. Die hat uns fix zur ‚Kiruna Busstation‘ gefahren. Ansonsten wäre das ein ganz knappes Ding geworden. 8:25 ging der Bus von der Busstation Kiruna nach Abisko bzw. Riksgränsen. Der Busfahrer hat uns ein Stück hinter Björkliden rausgelassen, wo der Nordkalottleden einmal die Straße kreuzt. Von da ging unser Abenteuer los.

Das Wetter war erstaunlich gut, die Strecke schön. Als ich auf meine Begleitung wartete, drehte ich mich zu ihr um und… EIN ELCH! Mein erster Elch IN der Natur. Letztes Jahr haben wir zwei gesehen, aber da saßen wir im Auto. Der eine Elch ist in den Wald gelaufen und der andere stand an der Straße. Ich hab den ersten Elch gesehen. Am ersten Tag. Davon konnte ich den Rest des Tages reden…


Die erste Etappe hielt ein paar knackige Anstiege für uns bereit. Ein schönes Highlight war die Grenze von Schweden zu Norwegen zu erreichen – durch eine große gelbe Markierung nicht zu verfehlen. Dann kamen wir an der Lappjordhytta an, danach wartet ein Anstieg, den meine Begleitung nicht mehr gehen wollte, weil der Akku leer war. Das Risiko, auf dem Berg keinen guten Zeltplatz zu finden war zu hoch. Aber wir hatten dafür einen guten Zeltplatz an der Hütte mit einer mega Aussicht.
Preise für die Hütten: 250 NOK Mitglieder im DNT, 500 NOK für Nicht-Mitglieder. Wer sein Zelt an der Hütte aufbauen will zahlt als Mitglied 50 NOK und 100 NOK als Nicht-Mitglied, aber du darfst alles, was die Hütte bietet, wie oben beschrieben, nutzen.
Auf dem Anstieg hinter der Hütte hätte man tatsächlich wunderbar zelten können, wie es sich nächsten Morgen zeigte. Hätten wir das gewusst, hätten wir den Anstieg auch noch geschafft. Aber so war es uns zu unsicher, wie weit wir noch hätten gehen müssen. Also merke dir: ziemlich direkt hinter der Lappjordhytta den Anstieg hoch gibt es Zeltplätze!

Etappe 2 Lappjordhytta – Altevass
Morgens konnten wir glücklicherweise unsere trockenen Zelte einpacken. Die Nacht war sehr windig, wir haben kaum geschlafen. Aber der Wind hatte den Vorteil, dass die Zelte auch kein Kondenswasser oder Tau mehr hatten. Los ging’s auf die zweite Etappe. Jetzt kam, wie erwähnt, der steile, lange Anstieg direkt hinter der Hütte. Dann waren wir relativ schnell oberhalb der Baumgrenze und es war einfach, mal wieder, atemberaubend und wunderschön. Nachdem ich gestern den ersten Elch sah, begrüßten uns auf der zweiten Etappe auch direkt schon die nächsten Freunde: die Rentiere. Was ein Glück. Aber davon sollten wir auf der Tour noch reichlich zu sehen bekommen.
Im Wanderführer steht, dass wir auf dem Nordkalottleden des Öfteren furten müssen. Oft, so wie auf dieser Etappe, mussten wir die Schuhe nicht wechseln, weil der Wasserstand niedrig genug war, dass man über die Steine hüpfen konnte. Hier solltest du bedenken: such immer die für dich beste Stelle. Lieber die Schuhe wechseln, als mit nassen Füßen auf der andere Seite anzukommen. Haben wir ausprobiert. Ist doof. Ich hatte Trekkingsandalen dabei fürs Furten. Diese Etappe war schön, abends kam dann aber etwas Wind und Regen auf, nachdem wir die Zelte aufgebaut hatten. Also gab es Abendessen im Zelt. Wir zelteten 3 km vor der Altevasshytta. Zwischen uns und der Hütte gibt es noch einen Campingplatz, falls es für jemanden relevant ist. Die Nacht war mehr als bescheiden, es war stürmisch und wir konnten kaum schlafen. Die zweite schlaflose Nacht. Aber davon wird es noch mehrere geben…

Etappe 3 Altevasshytta – Gaskashytta
Wir sind 5:45 Uhr hoch und um 7:00 Uhr los. 3 km bis zur Altevasshytta hatten wir noch und dann kam auch schnell der Regen dazu.. und der Wind… wie sollte es auch anders sein im Herbst in Lappland? Und so zogen sich die 15km bis zur Gaskashytta und es war klar, wir müssen hier schlafen und alle Sachen trocknen. Auch die Schuhe waren nach nur 4,5 Std durch…
In der Hütte angekommen waren schon 4 Leute da und das Feuer an. Schön warm. Erstmal alles ausziehen und aufhängen zum Trocknen. Auch die halb nasse Zelt Plane von morgens. ‚Hier schlafen wir‘, dachten wir. Nette Gesellschaft und eine schöne Aussicht gab es auf die umliegenden Berge auch. Eigentlich wäre mir sehr nach Zelten gewesen, aber es war mal wieder Sturm angesagt, der dann ab 16:00 Uhr aufkam und ich habe mich vernünftiger Weise entschieden, in der Hütte zu schlafen zusammen mit meiner Begleitung. Morgen soll’s ab 10:00/12:00 Uhr regnen. Also möglichst früh los… mal am Rande erwähnt: man kann sich eigentlich eh nie auf die Wettervorhersage verlassen. Die ändert sich stündlich und oft trifft es nicht so ein, wie angesagt. Dennoch haben wir dem Wetterbericht auf dem Garmin InReach immer wieder unseren Glauben geschenkt.

Etappe 4 Gaskashytta – Vuomahytta
Richtig schöne Tour. Erst ein Anstieg und dann Geröll über 5km. Es war erstaunlich schnell zu laufen, wir hatten aber eisigen Wind und evtl. wären Handschuhe gar nicht so verkehrt gewesen. Wir hatten schöne Ausblicke. Mal wieder. Wie jeden Tag. Eigentlich ständig. Egal, wo du da unterwegs bist, es ist überall schön. Ein bisschen Nieselregen hatten wir über den Tag. Diese Etappe führte uns zur Vuomahytta und von der Hütte aus konnten wir Rentiere sehen. Das war schon sehr bezaubernd. Die Vuomahytta war von anderen Wanderern als sehr luxuriös beschrieben, man solle doch unbedingt reinschauen, wenn man dort ist. Panoramafenster mit mega Ausblick. Kann ich bestätigen, es ist eine recht neue Hütte und wirklich wunderschön. Meine Güte. Hier toppt ein Ausblick den nächsten. Wir sind weiter, nachdem wir in der Hütte einen kurzen Boxenstop machten und haben dann einen mega Spot gefunden, an dem wir unsere Zelte bei leichtem Regen aufschlugen, in der Hoffnung, nächsten Morgen evtl. Rentiere um uns zu haben. Denn dort liefen viele rum… 🙂

Unser Garmin InReach verriet uns, die Nacht würde schön und wir freuten uns auf eine ruhige Nacht. Tja, nichts da. Stürmisch, wie die letzten Nächte auch. Also wieder fast ohne Schlaf nächsten Morgen zusammengepackt und los…

Tag 5 Der Rentier-Tag Vuoma – Dividalhytta.
Von unserem Spot hinter der Vuomahytta ging’s dann los Richtung Dividalhytta. Es war wunderschön, wir trafen sowohl oberhalb als auch unterhalb der Baumgrenze sooooo viele Rentiere, einige wollten uns gar nicht von der Seite weichen. Das war der Rentiertag schlecht hin mit richtig gutem Wetter. Es war sonnig oder bewölkt. Auch mal nett. Der meiste Teil der Strecke führte unterhalb der Baumgrenze entlang, bis wir dann in die Nähe der Dividalhytta kamen und nochmal einen richtig brutalen Anstieg bewältigen durften. Halleluja. In der Hütte haben wir Rudolf wieder getroffen. Rudolf habe ich bisher noch nicht erwähnt, aber jetzt wird’s relevant ihn zu erwähnen. Rudolf macht solch Touren öfter, kommt aus den Niederlanden und liebt Lappland genau so wie wir. Wir haben ihn ein paar Mal auf dem Trail gesehen, er überholte uns, wir ihn, usw. In der Dividalhytta gab’s ein kleines Päuschen. Rudolf war schon da und wollte in der Hütte schlafen. Wir wollten aber weiter und im Zelt schlafen. Das Wetter war den ganzen Tag über schön, also gab es keinen Grund, nicht zu zelten, außer dass es abends kurz mal regnen sollte. Fein. Also los, Schuhe wieder an, Rucksack auf den Rücken, Tür auf, kommt uns Regen entgegen. Ist doch jetzt nicht wahr. Doch. Und wie. Ich habe schnell entschieden, dass ich meinen Poncho noch überwerfe. Wir wollten den kommenden Anstieg noch hoch und dann einen geeigneten Zeltplatz suchen. Ein Stück durch den Wald, es war am Rande erwähnt wirklich richtig steil und auch bei guter Laune wäre es ein Kampf da hoch zu stiefeln. Da komme ich aus dem Wald raus, bin oberhalb der Baumgrenze und plötzlich haut mich der Wind fast um. Ich kann sehen, wo ich hin muss, um die Hälfte des Anstiegs geschafft zu haben, aber es ist so verdammt steil. Der Wind ließ den Regen so richtig schön von der Seite kommen, sodass unsere Hosen mal wieder nass wurden. Die meiner Begleitung deutlich schlimmer als meine. Mein Poncho hing besser über den Beinen und wurde nicht so weg gepustet. Bilder gibt es leider keine, weil es galt: so schnell wie nur überhaupt möglich da hoch hechten und einen Zeltplatz suchen. Nach so einem schönen Tag bekamen wir diese Ladung Scheisswetter. Vielen Dank. Als ich dann oben ankam sah ich eine Senke und dachte: jo, hier bleiben wir. Nochmal die Windrichtung gecheckt, ja, hier sollte es passen. Aber nass sind wir jetzt… Kaum kommt meine Begleitung oben an, präsentiere ich ihr den tollen Platz den ich gefunden habe, wir ärgern uns über den Abschluss des Tages, die härtesten 30-50 min(?) des Tages und bauen unsere Zelte auf, während es aufhört zu regnen. Gibt’s denn das? Wer wollte uns hier etwas lehren, dachte ich mir… Hätten wir doch einfach noch länger in der Hütte bleiben sollen und später wieder aufbrechen für das letzte Stück? Aber der Wetterbericht sagte ja, abends Regen. Tja, er kam halt eher. Regen wir uns nicht mehr über den Regen auf. Nun war’s ein wirklich schöner Abend, wir hatten die Zelte aufgebaut, ich kochte Wasser auf für unsere Abendessen und dann ab ins Bett. Bis morgenfrüh. Wollen wir hoffen, dass der Spot auf dem Berg in einer Senke heute Nacht ein Geschenk ist.

Etappe 6 Dividal-Dærtahytta
Die Senke war perfekt. Wir haben ganz okay geschlafen und der Wind flog über uns drüber. Morgens die Zelte zusammengebaut und los, einen schönen Platz für unser Frühstück suchen. Die letzte Hälfte des steilen Anstiegs wollte aber noch bewältigt werden. Heute war das Wetter okay, als wir losgingen. Kein Regen, kein Sturm. Aber die Flussquerungen hatten es in sich, sodass wir nasse Füße bekamen und unbedingt die Wanderschuhe vorm mächsten Ofen trocknen mussten. Der nächste Ofen war in der Dærtahytta. Also ab ging’s. Hin da. Unsere Schuhe waren also leider nass, weil wir unvernünftig waren und beim Furten die Schuhe anließen. Aber auch das Wetter wurde nass und die sumpfigen Abschnitte machten es den Schuhen nicht einfacher. Sie waren einfach nur noch nass. Teilweise war der Trail so matschig, dass wir mit schnellen, kleinen Schritten gelaufen sind, um möglichst wenig Matsch und Wasser an die Schuhe zu bekommen und nicht einzusinken. Der gesamte Nordkalottleden war sehr matschig und die Schuhe hatten kaum eine Möglichkeit zu trocknen, wenn du sie nicht vor den Ofen stellen konntest. Dazu sind wir ja recht spät im Jahr unterwegs gewesen, was auch einiges an Regen und kühle Temperaturen bedeutete… dafür sind eben die Wasserstände in den Flüssen niedrig und über viele konnten wir ohne Probleme von Stein zu Stein hüpfen. Wir haben dann in der Dærtahytta geschlafen, Schuhe und Klamotten getrocknet und in netter Gesellschaft den Abend verbracht. Rudolf kam natürlich auch noch in der Hütte an! Das erste Mal seit einer knappen Woche habe ich richtig gut geschlafen. Das tat gut. Ohne Wind in den Ohren und ohne Angst, mein Zelt würde evtl. gleich mit mir wegfliegen.

Etappe 7 Dærtahytta – Rostahytta
Vorab: Achtung! An der Rostahytta gibt’s den E1 und den Nordkalottleden – hier muss man aufpassen und den richtigen Weg wählen, denn irgendwie haben wir es geschafft, das bei der Planung nicht zu berücksichtigen und hatten den Nordkalottleden mit dem E1 auf Komoot (gab nur die Route) – abends wurde dann umgeplant. Gott sei Dank gab es hier mal Netz.
Hinter der Dærtahytta gab’s – Überraschung – auch wieder einen steilen Anstieg mit viel Geröll. Oben gab’s erstmal Colaflaschen. Insgesamt war’s eine schöne Etappe. Wir sind den Anfang alleine gelaufen, dann kam Rudolf dazu, wir machten zusammen eine kleine Pause und danach zog er von dannen. Auf der Etappe waren wir das erste Mal im finnischen Netz und kurz verwirrt, wie viel Uhr es denn jetzt wirklich ist.

Kurz vor der Rostahytta wurden wir von vielen bunten Zelten überrascht. Ich dachte: oh Gott, ich habe die ganze letzte Woche nicht so viele Menschen gesehen wie jetzt auf einem Fleck. Wo kamen die bloß alle her? Es stellte sich raus, dass dort eine Schulklasse zum Zelten war. Wir haben die letzten Tage kaum Menschen gesehen. An der Hütte angekommen trafen wir Rudolf, der mit einem anderen Wanderer im Gespräch war. Es gab den Tag über etwas Niesel, weshalb wir unsere Schuhe mal wieder kurz vor den Ofen stellten, bevor wir dann zusammen mit Rudolf weiter zogen. Im Wanderführer war ein schöner Zeltplatz beschrieben, aber der war leider schon belegt. Dafür wurden wir dann belohnt. Der schönste Spot von allen.

Das Wetter war in dieser Nacht auf unserer Seite und ich habe richtig gut geschlafen. Aber es war etwas frischer als die letzten Tage… und meine Begleitung sagte zu Rudolf: aber du meintest doch wir haben 8 Grad. Es fühlt sich deutlich kälter an. Er erwiderte: ja, es regnet ja auch eigentlich gerade… und grinste – du kannst das Wetter hier nicht einfach per App checken. Das klappt nicht. Den einen Moment freust du dich über die Sonne, die kurz zwischen den Wolken raus guckt, im nächsten Moment regnet und stürmt es. Auch auf dieser Etappe haben wir Flüsse überqueren müssen – einmal haben wir dann auch vernünftiger Weise die Schuhe gewechselt… 🙂
Langsam werde ich etwas traurig, weil ich realisiere, dass das Abenteuer Nordkalottleden bald ein Ende hat. Und das schneller als mir lieb ist, denn wir werden in nur 10 Tagen statt wie geplant 11 Tagen finishen. Aber auch 11 Tage hätten mir nicht gereicht.

Etappe 8 Rosta – Pältsa
Es war der erste Spot, an dem wir abends Internet hatten (jedoch nicht im Zelt) und ich wollte erstmal meine Family anrufen. Die hat sich aufgrund von angesagtem Sturm und Regen die vorigen Tage Sorgen gemacht. Netz gab es zwischendrin immer mal am Anfang der Tour, aber die letzten drei Tage gar nicht. Durch unseren neuen Trailbuddy war’s ein echt witziger Abend und Morgen. Rudolf machte sich dann schon auf den Weg, während wir noch ein paar Fotos machen wollten nächsten Morgen. Das Wetter meinte es heute gut mit uns und wir durften die ganze Etappe bei Sonnenschein wandern. Dann kamen wir zum See Moskanjavri. Riesengroßer See, der uns lange begleitet hat, mit wunderschönem Bergpanorama im Hintergrund. Kurz vor der Grenze zu Schweden haben wir wieder Rentiere gesehen. Kurz dahinter, aber noch vor der Pältsa Hütte (Hütte vom STF, Svenska Turistforening) gab’s einen Zeltplatz in Flussnähe im Angebot. Jetzt kam dann auch der Wind wieder. Was haben wir ihn vermisst. Also durften wir mal wieder unter erschwerten Bedingungen das Zelt aufbauen – aber Übung macht den Meister. Ich habe auf dieser Etappe 3 Abwurfstangen von Rentieren gefunden, nachdem ich tagelang Ausschau gehalten habe und mich wie ein Glücksbärchi gefreut, als ich dann endlich welche fand. Zwei davon habe ich am nächsten Tag an einen schönen Ort am Trail abgelegt, aber das eine… dieses eine. Das wollte ich unbedingt mit zum Flughafen nehmen und fragen, ob ich es mitnehmen dürfe. Eine bessere Erinnnerung an so eine wilde Tour gibt es für mich nicht. Rudolf haben wir heute gar nicht mehr gesehen.

Etappe 9 Pältsa – Kuohkimajärvi
Ein sehr nebliger Tag. Regen war angesagt zu um 9 Uhr, wir wollten aufstehen und vorm Regen los. Verlass dich nicht aufs Wetter! Wieso machen wir das immer wieder? Es hat von morgens an geregnet. Dann war der Plan, dass wir den Regen aussitzen wollten, haben dann noch im Zelt gefrühstückt und rumgelegen. Vielleicht bin ich auch kurz nochmal einschlafen… 🙂 Ein nasses Zelt einzupacken ist echt doof, weil du es dann ja auch nass wieder aufbauen musst und da besteht dann schnell die Chance, dass dein Innenzelt etwas Feuchtigkeit/Nässe abbekommt. Auch, wenn ich das Einpacken schon optimiert habe. Wenn mein Außenzelt nass ist, packe ich es in eine extra Plastiktüte. So bleibt der Rest trocken, bzw. wird nicht noch nasser. Irgendwann vor 9 Uhr habe ich das Wetter nochmal neu geladen, 70% Regenwahrscheinlichkeit den ganzen Tag. Schön… naja dann mal los jetzt. Warten nützt wohl auch nichts. Und so wie wir die Zelte verlassen wollten um diese zusammenzubauen, hörte es auf zu regnen. Yes! Wenigstens jetzt ist es kurz trocken. Und dann sind wir los gestiefelt. Es hat dann tatsächlich erst nachmittags angefangen wieder zu tröpfeln. Durch den Nebel und die nicht vorhandene Sicht auf die gigantischen Berge fand ich die Etappe ätzend und nervig.. Wir hatten 1-2 km vor der Pältsa Stugan gezeltet und sind dann an der Hütte vorbei gekommen, wo der Wirt direkt zu uns kam und uns begrüßte (die erste und einzige bewirtschaftete Hütte). Der Wirt erzählt, wie der Trail weiter verläuft, wünscht uns viel Spaß und dann fiel ihm ein, er hätte noch eine Nachricht von Rudolf für uns. He left a message. Gespannt warteten wir, bis er den Zettel geholt hatte und wir lasen die Nachricht von Rudolf, dass er es nun etwas eilig hat, weil er die Fähre nehmen wollte und uns noch eine schöne Zeit wünscht. Vielleicht sehen wir uns ja in Kilpisjärvi noch – und hinterließ uns seine Handynummer. Wir zogen weiter. Es ging auf und ab, immerzu im Nebel… irgendwann dachten wir, dass die Beschreibung des Wirts irgendwie nicht mehr passte. Wir guckten öfter als uns lieb war aufs Handy und in den Wanderführer, die beide immer bestätigten, dass wir auf dem richtigen Weg waren… Wir hatten schon Angst, wir waren falsch, verloren in Lappland. An 2 Seen vorbei, die weder Komoot noch Outdooractive eingezeichnet hatten. Irgendwann kam dann die langersehnte Brücke, von der der Wirt sprach (und Rudolf auf seinem handgeschriebenen Zettel auch) die die Schweden sich auch hätten sparen können, denn die vorigen Tage hatten schlimmere Flüsse zum Furten auf der Tagesordnung. Wir trafen nur zwei Menschen, es waren wenig bis keine Markierungen, aber nun wussten wir an der Brücke: hier waren wir richtig. Nächster Stop: Treriksröset – Dreiländereck. Finnland, wir kommen! Kurz vor Finnland die absolute Schönheit der Natur, sie hat sich alle Mühe gemacht, uns zu empfangen und zu begrüßen. Die Birken und Sträucher verfärbt, die schönsten Herbstfarben… das war einfach zu schön. Trotz Regen.

Und so waren wir dann bei unserem Highlight angekommen und kurz danach kam dann auch schon die Hütte, bei der wir zelten mussten. Denn: OBACHT. Es darf nicht mehr hinter der Hütte Richtung Kilpisjärvi gezeltet werden, da das Nationalpark Finnlands ist. Also waren wir so oder so gezwungen hier zu bleiben. Hier lernten wir auch zwei nette Finnen kennen, die ich fragte, wie die (und andere Leute) das hier sehen, wenn Touris mit Rentiergeweihen durch die Gegend rennen, denn in Deutschland sei es absolut verboten. ‚No, it’s okay, you don’t have to hide it‘. Ich fühlte mich so illegal, auch wenn ich schon andere mit Geweih hab rumlaufen sehen… bis zu diesem Zeitpunkt… 🙂
Erstmal die Hütte eingeheizt und die Schuhe weitestgehend getrocknet. Diese Hütte ist eine finnische Hütte (gratis zum Übernachten, minimalistisch mit dem Nötigsten ausgestattet), kann zum Teil auch sehr gut besucht sein, aber wir wollten ja eh zelten.

Etappe 10 Kuohkimajärvi – Kilpisjärvi
Morgens Sonnenschein und nur noch ca. 12 km von hier nach Kilpisjärvi, dann ist das große Abenteuer Nordkalottleden auch schon wieder Geschichte. Nachdem wir Wasser geholt hatten, war die Sonne schnell verschwunden. Das letzte Stück im Nationalpark war wunderschön, die Farben des Herbstes waren so klar und deutlich zu sehen. Es war eine angenehme letzte Etappe bis zum Campingplatz im Vorort von Kilpisjärvi.
Erstmal ankommen (einen Tag zu früh), Tourishopping betreiben und Kuchen essen. Danach duschen und Burger essen. Dann die Busverbindung checken. Unseren Bus gibt’s nicht mehr. Und jetzt? Morgen geht’s neu geplant mit dem Bus um 18:05 Uhr nach Tromsö. Der ursprüngliche Bus, der uns von Rome2Rio vorgeschlagen wurde, fährt nicht mehr.
Dieser Bus fährt abends nach Tromsö (statt wie der geplante Bus 16:25 Uhr) – finnische Webseite. Das haben wir Dank Rudolf rausgefunden, der uns ja seine Nummer gab. Wir hätten eigentlich erst Montag in Kilpisjärvi ankommen wollen, aber wir sind Samstagnachmittag angekommen. Genau genommen waren wir 1,5 Tage zu früh am Ziel. Also mussten wir irgendwie bis Dienstag die Zeit totschlagen. Samstagabend nach dem Stress mit dem Bus und Airbnb umbuchen, wurde ich dann krank. Gliederschmerzen, Fieber und Magenschmerzen (die begleiteten mich jedoch schon die letzten Tage… zu viele Riegel und einseitige Ernährung?). Nach dem leckeren Burger ging’s dann also ganz schnell ins Zelt in den Schlafsack. Wie die Nacht war muss ich nicht beschreiben… Ich habe überlebt und Sonntag gab‘s Frühstück. Danach haben uns ganz nette Finnen nach Kilpisjärvi zum K-Market Kilpishalli gefahren. 5 km. Dort geht der Bus um 18:05 Uhr. Als wir ein bisschen was eingekauft haben gingen wir rauf ins Restaurant. Und wen fanden wir da vor? Rudolf. Natürlich. 🙂 Also verbrachten wir unsere Stunden der Wartezeit mit netten Gesprächen mit ihm, bis wir den Bus nach Tromsö nahmen um zum Airbnb zu kommen und den Flieger heim zu nehmen.

Fazit

Es war eine gigantisch tolle, wahnsinnig schöne Tour durch Lappland, viel schöner als der Kungsleden, vor allem eben auch, weil es auf dem Nordkalottleden nicht so überlaufen ist. Auch im Sommer soll nicht zu viel los sein. Viel wilder als der Kungsleden, unberührter, ursprünglicher. Man muss nicht andauernd mit Booten übersetzen und ist auf irgendwelche Zeiten angewiesen. Die Hütten, für die wir den Nøkkel braucht sind wunderschön, super eingerichtet, alles da, was man braucht – und du trittst bestenfalls in den DNT ein.
Wenig Menschen! Du bist unter sehr wenigen Menschen, aber es herrscht eine unheimlich gute Gemeinschaft. Du bist im Endeffekt doch nicht allein, es sei denn du wählst es so. Einige laufen Norge på langs, andere von Sizilien zum Nordkapp, andere vom Nordkapp Richtung Süden. So geil.
Deinen Müll musst du leider lange mit dir rumschleppen, es gibt unterwegs keine Möglichkeit, den zu entsorgen. Wir haben unseren Müll am Campingplatz, an dem wir ankamen, entsorgt.

Hier noch meine Optimierungen für die nächste Tour:

-> Poncho zuhause lassen. Bessere Alternative: Regenjacke und ein extra Cape für die Schulterriemen vom Rucksack, damit der Regen nicht in den Rücken läuft. Rudolf hatte gesagt, es gibt da etwas. Ich werde mal das Internet durchforsten. Und eine neue, atmungsaktive Regenhose muss her. So wie Martin (unterwegs kennengelernt) sagen würde, als ich fragte, ob die Jacke nicht irgendwann an den Druckpunkten vom Rucksack durch ist: du musst einfach akzeptieren, dass du irgendwann nass wirst. Das ist einfach nicht zu umgehen. – Ich werde an dem Gedanken arbeiten und versuchen, mich mit ihm anzufreunden.
-> Flussquerungen: zieh direkt die Trekkingsandalen an. Dann bleiben die Schuhe trocken, insofern es nicht eh den ganzen Tag schüttet.
-> Internetempfang gab’s am Anfang und von Tag 3-6 gar nicht, danach immer mal wieder.
-> Achtet bei der Planung darauf, wenn ihr Apps nutzt, auch die wirklich richtige Route zu haben – Komoot schlägt die Route mit dem E1 vor. Man kann die aber ganz easy umplanen oder du findest sie hier auf meinem Komoot-Profil.
-> Das Garmin InReach gibt eine gewisse Sicherheit (nicht am Rucksack, sondern am Körper tragen – wenn du einen Berg hinunterstürzt und deinen Rucksack verlierst, hilft dir das Notfallgerät nicht).
-> Es wird immer mehr auf Trenntoiletten gesetzt, was mir persönlich richtig gut gefällt, denn der Gestank hält sich dann wirklich in Grenzen. ABER: auch dieses Jahr war die kleine Schaufel wieder unentbehrlich und wir haben sie des Öfteren wieder gebraucht. Denn: du sollst deine Hinterlassenschaften vergraben und nicht liegen lassen!

Für die Abenteurer, die von Norden nach Süden laufen: Gas gibt’s in Kilpisjärvi an der Tankstelle beim K-Market Kilpishalli.

Fragen, Anregungen oder einfach das Bedürfnis mit mir zu schreiben? Dann schreib mir gern: mail@trailbuddies.de oder bei Instagram: @trail_buddies

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